Vitamin D im Winter: Bedarf, Aufnahme und sinnvolle Mengen

Veröffentlicht am 24.04.20266 Min. Lesezeit

Aktualisiert am 30. April 2026

Hinweis ergänzt, dass die EFSA-Höchstmenge für Vitamin D derzeit von der EU überprüft wird.

Es gibt diesen Moment irgendwann im November: das Tageslicht reicht gerade, um morgens nicht im Dunkeln aus dem Haus zu gehen, und um 17 Uhr ist es wieder vorbei. Genau dann fängt der Winter an, der für Deinen Vitamin-D-Spiegel das schwierigste halbe Jahr ist.

Hier kommt der Hintergrund — und was Du daraus konkret machen kannst. Wenn Du gleichzeitig häufig müde bist, lohnt parallel ein Blick auf Eisen und Müdigkeit, weil sich Vitamin-D-Mangel und Eisen-Themen im Winter gerne überlappen.

Vitamin D

DGE-Referenzwert (Erwachsene)
20 µg pro Tag (Kinder, Jugendliche, Erwachsene)Die Schätzwerte gelten bei fehlender körpereigener Bildung — also wenn die Haut kaum Sonne sieht.
Gute Quellen (pro 100 g)
  • Lebertran: 300 µg
  • Hering: 25 µg
  • Lachs: 16 µg
Zugelassene Gesundheitsangabe
Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems beiVerordnung (EU) 432/2012, Anhang

Quelle: DGE-Referenzwerte Vitamin D (Schätzwerte bei fehlender Eigensynthese)

Vitamin D ist der Sonderfall unter den Vitaminen

Anders als alle anderen Vitamine kannst Du Vitamin D selbst herstellen. Wenn UV-B-Strahlung der richtigen Wellenlänge auf unbedeckte Haut trifft, läuft in der Hautoberfläche eine kleine Synthese ab, an deren Ende das aktive Vitamin D steht. Was es im Körper alles macht, fasst die EU-Verordnung 432/2012 nüchtern zusammen: Immunsystem, Erhaltung normaler Knochen, Muskelfunktion, Aufnahme von Calcium und Phosphor. Kurz gesagt — überall, wo der Körper Stabilität braucht, ist Vitamin D mit dabei.

Damit diese Eigensynthese überhaupt funktioniert, müssen drei Sachen zusammenkommen: ein hoher Sonnenstand (UV-Index ab etwa 3), unbedeckte Haut, und kein Sonnenschutz auf den belichteten Flächen. In Deutschland ist das nur grob zwischen April und September gegeben — und auch dann nur in den Mittagsstunden.

Vitamin D im Winter: Bedarf, Aufnahme und sinnvolle Mengen

Warum der Winter so schwierig ist

Zwischen Oktober und März steht die Sonne in Deutschland — nördlich des 50. Breitengrads — so flach am Himmel, dass die UV-B-Strahlung den Großteil ihrer Energie schon in der Atmosphäre verliert. Selbst mehrere Stunden Spaziergang bei Sonne im Januar bringen für Deine Vitamin-D-Bildung praktisch nichts.

Was Dir hilft, ist Dein eigener Speicher. Vitamin D ist fettlöslich, also lagert es sich in Leber und Fettgewebe ein. Wer den Sommer hindurch regelmäßig Zeit im Freien verbringt, baut sich Reserven auf, die einen Teil des Winters überbrücken. Der Punkt ist: für viele Menschen reichen diese Reserven nicht durchgängig — Studien des Robert Koch-Instituts zeigen, dass größere Teile der Bevölkerung in den Wintermonaten unter den als wünschenswert eingestuften Blutwerten liegen.

Was die DGE empfiehlt

Die DGE arbeitet bei Vitamin D mit einem Schätzwert statt einer festen Empfehlung — weil ein Teil der Versorgung über Sonneneinstrahlung läuft, die sich nicht verschreiben lässt. Wenn keine eigene Bildung erfolgt, gilt:

PersonengruppeSchätzwert (bei fehlender Eigensynthese)
Säuglinge bis 12 Monate10 µg / Tag
Kinder, Jugendliche, Erwachsene20 µg / Tag
Schwangere und Stillende20 µg / Tag
Senior:innen ab 65 J.20 µg / Tag

20 µg entsprechen 800 IE (Internationalen Einheiten) — das ist die Einheit, die Du auf den meisten Verpackungen siehst.

Dein DGE-ReferenzwertVitamin D

Dein DGE-Referenzwert: 20 µg/Tag

Kinder, Jugendliche, Erwachsene

Vitamin D: DGE-Referenzwerte nach Personengruppe in µg pro TagSäuglinge (bis 12 Monate)10 µgKinder, Jugendliche, Erwachsene20 µgSenior:innen (65+ J.)20 µgSchwangere20 µgStillende20 µg

Gut zu wissen

  • Von etwa Oktober bis März steht die Sonne in Mitteleuropa zu flach für die körpereigene Bildung — der Schätzwert gilt genau für solche Zeiten ohne Eigensynthese.
  • Wer sich selten im Freien aufhält oder die Haut meist bedeckt, bildet weniger Vitamin D selbst.
  • Mit zunehmendem Alter bildet die Haut weniger Vitamin D.

Angezeigt wird der veröffentlichte DGE-Referenzwert für die gewählte Gruppe — keine individuelle Auswertung. Orientierungswert — ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Quelle: DGE-Referenzwerte Vitamin D (Schätzwerte bei fehlender Eigensynthese)

Vitamin D aus Lebensmitteln — schwierig, aber nicht hoffnungslos

Über die Ernährung allein 20 µg pro Tag zu erreichen ist möglich, braucht aber Plan:

Lebensmittel (100 g)Vitamin D
Lebertran~ 300 µg
Hering~ 25 µg
Lachs~ 16 µg
Champignons (UV-bestrahlt)~ 10 µg
Eigelb~ 5,6 µg
Makrele~ 4 µg

Wer einmal pro Woche fettreichen Fisch isst, kommt im Wochendurchschnitt in einen guten Bereich. Wer keinen Fisch mag, hat es schwerer — Eigelb und UV-bestrahlte Pilze tragen ein bisschen bei, aber selten reichen sie aus.

Ist Ergänzung im Winter sinnvoll?

Für viele Menschen, die zwischen Oktober und März wenig draußen unterwegs sind, ist eine Ergänzung der einfachste Weg, um in der Nähe des DGE-Schätzwerts zu bleiben. Drei Punkte zur Praxis:

  • Vitamin D ist fettlöslich. Nimm es zu einer Mahlzeit, die etwas Fett enthält — die Aufnahme im Darm verbessert sich dadurch deutlich.
  • 20 µg pro Tag entsprechen 800 IE. Höher dosierte Präparate (1000–4000 IE) gibt es, sind aber nicht für jeden sinnvoll. Vor einer hochdosierten Ergänzung lohnt sich eine Bestimmung des 25-OH-Vitamin-D-Werts beim Hausarzt — so weißt Du, wo Du stehst, und kannst gezielt dosieren.
  • Eine Ergänzung ist kein "viel hilft viel". Die EFSA nennt 100 µg (4000 IE) pro Tag als tolerierbare obere Menge für Erwachsene. Wer langfristig deutlich darüber liegt, riskiert erhöhte Calciumwerte.

Wer schaut besonders genau hin?

Es gibt Lebenssituationen, in denen das Eigensynthese-Argument nicht zieht — und eine Ergänzung über den Winter besonders sinnvoll sein kann:

  • Bürotätigkeit, kaum Tageslicht im Alltag
  • Pflegebedürftige Menschen ohne regelmäßige Möglichkeit nach draußen
  • Geringe UV-Eigensynthese, etwa bei dunklerem Hauttyp oder dauerhaft bedeckender Kleidung
  • Senior:innen — Hautsynthese nimmt mit dem Alter ab

In all diesen Fällen reden wir nicht über Hochdosis-Kuren, sondern über das ruhige Erreichen der DGE-Empfehlung über mehrere Monate.

Vitamin D arbeitet selten allein

Calcium und Phosphor werden über Vitamin D überhaupt erst effizient aus dem Darm aufgenommen — daraus ergibt sich der Knochen-Bezug. Magnesium wiederum braucht der Körper, um Vitamin D in der Leber enzymatisch zu aktivieren. Wer also "Vitamin D" auf dem Schirm hat, sollte seine Ernährung auch insgesamt im Blick haben — siehe etwa den Beitrag zu Magnesium und Muskelfunktion.

Wenn Du wissen möchtest, ob Deine Vitamin-D-Versorgung zu Deinem Alltag passt — und welche kleinen Anpassungen sich lohnen — schau Dir den kostenlosen Vital-Check an. Drei Minuten, persönliche Einordnung, kein Verkaufsdruck.

Häufige Fragen

Wie viel Vitamin D braucht man am Tag?

Wenn keine eigene Bildung über die Sonne erfolgt, empfiehlt die DGE als Schätzwert 20 µg (800 IE) Vitamin D pro Tag. Im Sommer wird ein Großteil über die UV-B-Strahlung selbst gebildet, im Winter (Oktober bis März) ist das in Deutschland kaum möglich.

Reichen 15 Minuten Sonne im Winter?

In Deutschland nördlich des 50. Breitengrads steht die Sonne von Oktober bis März so flach, dass die UV-B-Strahlung für die Vitamin-D-Bildung nicht ausreicht — egal wie lange Du draußen bist. Der Körper greift dann auf gespeichertes Vitamin D aus den Sommermonaten zurück.

Welche Lebensmittel enthalten Vitamin D?

Fettreiche Fische (Lachs, Makrele, Hering), Eigelb, einige Pilze (besonders unter UV-Licht gewachsene) und angereicherte Lebensmittel wie Margarine. Über Lebensmittel allein erreichen die wenigsten Menschen den Schätzwert von 20 µg.

Kann man zu viel Vitamin D nehmen?

Bei dauerhaft hoher Aufnahme über Nahrungsergänzung können sich erhöhte Calciumwerte einstellen. Die EFSA hat eine tolerierbare obere Aufnahmemenge von 100 µg (4000 IE) pro Tag für Erwachsene festgelegt (Stand 2012, derzeit in EU-Re-Evaluation). Im Zweifel im Bereich der DGE-Empfehlung bleiben.

Quellen

  1. EFSA Health Claims Register — Vitamin D
  2. DGE — Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D
  3. DGE — Referenzwert: Vitamin D
  4. BfR — Vitamin D: Versorgung in Deutschland
  5. Verordnung (EU) 432/2012
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